Mit diesen 6 Qigong-Übungen bringst du deine Holz-Energie ins Gleichgewicht und machst Körper und Seele frühlingsfit

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Frühling - Holz-Element

 

ENDLICH Frühling – juhuuu! ?

Nach der Ruhe des Winters erwacht die Natur, frisches Grün sprießt. Die Knospen von Blumen und Bäumen öffnen sich. Frühlingsgefühle erwachen. Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen. Wir gehen wieder mehr nach draußen und genießen die Sonne auf unserer Haut.

Sowohl in der Natur als auch im Menschen beginnt sich das Yang zu erheben und auszubreiten. Es löst das Yin des Winters ab und bringt neue Kräfte. Wir lassen uns mit geöffnetem Herzen auf neue Entwicklungen in unserem Leben ein.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) sind den Jahreszeiten nicht nur Yin und Yang, die widerstreitenden und sich ergänzenden Kräfte, zugeordnet, sondern auch jeweils ein Element und auch bestimmte Organe. Wie die Natur, so haben die Jahreszeiten auch auf unsere Körperfunktionen, Organe, Sinne und Gefühle einen anderen Einfluss. Geben wir auf uns Acht und leben danach, fügt sich alles zusammen zum Jahres- und letztendlich Lebenskreislauf – im Einklang mit der Natur.

 

Die Zuordnung des Frühlings im Zyklus der Fünf Elemente (Fünf Wandlungsphasen)

Seit Mitte Februar befinden wir uns im Zyklus der Fünf Elemente in der Zeit des Holzes. Dieses Holz-Element in uns können wir pflegen und versuchen zu verstehen, damit wir die natürlichen Energien unterstützen können, und nicht in der Frühjahrsmüdigkeit hängen bleiben.

Element: Holz

Organe: Leber und Gallenblase

Sinnesorgan: Augen

Körperschicht: Muskeln, Bänder, Sehnen, Gelenke

Tier: Hirsch

Geschmack: sauer

Farbe: grün

Emotion: Wut, Zorn, Ärger, Aggression, Unzufriedenheit, Depression

Geisteshaltung: Toleranz, Großzügigkeit

Klima: Wind

 

Holz

Sinnbild des Elementes ist der Baum. Voller Lebenskraft wächst er in alle Richtungen. Fest verwurzelt in der Erde, breitet er seine Äste in den Himmel aus und schwingt flexibel und geschmeidig im Wind. Durch die Wurzeln nimmt er Wasser und Mineralien zu seiner Ernährung auf. Das frische Grün der Blätter muss sich den Weg nach außen erkämpfen. Kinder- und Jugendzeit, Neubeginn, Lebendigkeit, Wachstum und Selbstverwirklichung charakterisieren dieses Element.

So wie der Baum brauchen auch wir Menschen eine gute innere Verwurzelung und ausreichend Raum, um uns frei und ungehindert entfalten zu können. Geraten wir zu früh unter Leistungsdruck, haben wir zu wenig Freiraum für unser Wachstum, dann fühlen wir uns eingeengt in unseren Entfaltungsmöglichkeiten. Wir werden ungeduldig, gereizt, sind verärgert, wütend, zornig. Die Aggressionen richten sich entweder nach außen oder auch nach innen. Das Qi zieht sich zurück ins Innere und stagniert dort. Diese Blockade kann sich durch überschießende Wutausbrüche versuchen zu lösen, oder auch durch ewiges Jammern. Unterdrückte Wut kann sich durch Depression und fehlendes Gefühl der Freude äußern. Wir fühlen uns niedergeschlagen.

Wenn wir eine ausgeglichene, kraftvolle Holzenergie haben, besitzen wir auch den Mut uns unseren Freiraum zurück zu holen.

  

Leber und Gallenblase / Muskeln, Bänder, Sehnen und Augen

Sicher hast du schon mal die Sprichwörter gehört

„Dir ist wohl eine Laus über die Leber gelaufen.“
„Da kommt mir die Galle hoch.“
„Er spuckt Gift und Galle.“
„Tränen der Wut.“
„Die Augen funkeln zornig.“

Diese verdeutlichen die problematische Seite der Holzenergie. Ist der Qi-Fluss in Leber und Gallenblase gestört, dann äußert sich das in Ausbrüchen von Wut und Zorn, weil Qi und Blut nicht mehr frei fließen können. Dies wiederum erzeugt Hitze im Körper, der Blutdruck steigt, wir sind häufig verspannt, haben Kopfschmerzen oder Probleme mit der Verdauung. Wenn man Ärger und Frust in sich hineinfrisst, reagiert der Körper mit Magenschmerzen, Völlegefühl, Übelkeit, Gastritis oder Sodbrennen. Es steigen Reizbarkeit, Perfektionismus und Kontrollsucht.

Ein gestärktes, frei fließendes Qi hingegen gleicht das Gefühlsleben aus. Wir bleiben gelassen, haben mehr Mut, Durchsetzungskraft und Optimismus. Kreativität, Flexibilität und Toleranz werden gefördert.

Die Gallenblase ist der wichtige Partner der Leber, den man als Ventil sehen kann, das den Lauf der Leberenergie kontrolliert. So wie ein Küken erst die Schale des Eies durchbrechen muss und ein Spross die Hülle des Samens sprengt, so muss die Energie der Leber das Ventil der Gallenblase durchbrechen. Neben der Verdauungsfunktion ist sie als Yang-Organ für kurzfristige Entscheidungen verantwortlich, für den Mut zur Umsetzung, den ersten Schritt, die Tat, das erste „Ja, mach ich“.

Wichtigste Aufgabe der Leber aus TCM-Sicht ist die Regulierung des freien und weichen Flusses der Lebensenergie (Qi) im ganzen Körper. Als Yin-Organ wirkt sie als Impulsgeber, fördert das Wachstum und gleicht Emotionen aus. Das heißt, sie leitet auch Energie zu unseren Wünschen und Gedanken. Sie ist für langfristige Entscheidungen verantwortlich, für den zweiten, den nächsten Schritt, für Ausdauer, für das „am Ball bleiben“, und das „nicht so leicht aufgeben“.

Daneben speichert die Leber das Blut und versorgt damit die Muskulatur, Bänder, Sehnen, Gelenke und die Augen. Wenn das Blut ungenügend ist und für die Versorgung nicht ausreicht, tauchen Symptome wie Mattigkeit, Taubheit der Arme und Beine und Schwierigkeiten beim Beugen und Strecken auf. Wir sehen plötzlich verschwommen, haben müde, trockene, tränende oder schmerzende Augen.

 

Grün und Sauer

Ein leicht ins Grünliche tendierender Farbstich der Haut, eine besondere Abneigung oder Liebe zur Farbe Grün deuten in der TCM, ebenso wie Heißhunger als auch Abneigung gegen Saures, auf ein Ungleichgewicht im Leber/Gallenblasen-Funktionskreis hin. „Grün und gelb vor Neid“ oder „auf etwas/jemanden sauer sein“ sind hier die bekannten Sprichwörter.

Pflanzen in der Wohnung, Bewegung im Grünen, mal ganz bewusst „ins Grüne schauen“ sowie grüne und saure Lebensmittel im individuellen richtigen Maß wirken beruhigend und ausgleichend und regen den Energiefluss in uns wieder an.

Hier einige Anregungen:
junge Pflanzen, Sprösslinge und frisches Blattgemüse, Feldsalat, Löwenzahn (auch gern als Saft oder Tee), Sauerampfer, Brennnesseln, Kerbel, Gartenkresse und Bärlauch, saure Gurken oder Mixed Pickels, Essig-Öl-Dressing oder ein Glas Wasser mit einer Scheibe Zitrone.

„Sauer macht lustig“ ? – weil es Leber und Gallenblase kühlt und dadurch entspannt.

 

Wind

Setzen wir uns ungeschützt dem Frühlingswind aus, lässt er Kälte, Hitze und Feuchtigkeit in den Körper eindringen.

Wir sollten daher darauf achten immer windabweisende Kleidung zu tragen und besonders den Übergang von Kopf zu Nacken zu schützen, wo sich wichtige Akupunkturpunkte des Gallenblasenmeridians befinden.

 

 

Doch es gibt noch mehr was wir für eine ausgeglichene Holz-Energie tun können.

So wie wir beim Frühjahrsputz Wohnung und Garten auf Vordermann bringen, Auto und Fahrrad gründlich reinigen, muss auch unser Körper, unser Unterbewusstsein und unser Seelenleben gereinigt werden.

Gefühle produzieren Energie und können ungeheure Kräfte freisetzen. Wenn wir Wut-Gefühle nicht unterdrücken, sie aber auch nicht zum Zorn werden lassen, können wir die Kraft gezielt positiv kanalisieren, die aus der Wut entsteht. Eine Erkenntnis die auch in Qigong-Übungen eingegangen ist. Auch hier wird in gezielten Übungen die Kraft der Gefühle angeregt und genutzt.

Ich habe dir hier sechs davon zusammengestellt. Wähle die Reihenfolge der Übungen ganz nach deinem Empfinden oder nimm dir die Übung heraus, mit der du dich am wohlsten fühlst. Das ist meistens die, die du gerade brauchst.

Mit den Bewegungen von Körper und Geist werden die Meridiane im Leber-Gallenblasen-Funktionskreis angeregt, Blockaden können sich lösen und lassen die Energie wieder freier fließen. Damit du wieder „frei von der Leber weg erzählen und handeln kannst…“

Ist dein Holz Element im Gleichgewicht, kannst du das Zusammensein mit deinen Mitmenschen genießen und dabei ganz du selbst sein.

 

1. Stehen wie eine (chin.) Kiefer

Du stehst im natürlichen Stand zwischen Himmel und Erde. Die Fersen sind etwas näher beieinander, die Zehen zeigen leicht nach außen. Die Arme hängen, die Schultern hängen. Richte deinen rechten Fuß gerade nach vorne aus, sinke stabil auf das rechte Bein und gehe mit dem linken Fuß achtsam in den hüftbreiten Stand. Das Gewicht ist gleichmäßig auf beiden Beinen verteilt. Stelle dir vor, dass Wurzeln aus deinen Füßen in den Erdboden hinein wachsen. Ziehe einen imaginären Faden am Hinterkopf nach oben, das Kinn sinkt leicht Richtung Brust, die Wirbelsäule richtet sich dadurch auf. Kippe dein Becken leicht nach vorne und oben. Stelle dir vor ein Lot zieht am Steißbein gerade nach unten. Dann kommen zwei kleine Elfen und ziehen sacht an deinen Ellbogen nach außen. Die Arme hängen nun im Halbrund wie die Zweige einer Kiefer. Zwischen Körper und Armen kann ein Qi-Polster entstehen. Stelle dir vor du stehst wie eine Kiefer. Deine Aufmerksamkeit sinkt zum unteren Dantian (unteres Energiezentrum ca. 2 Finger breit unter deinem Bauchnabel) und wird dort bewahrt. Dein Atem fließt ganz ohne Beachtung ruhig und gleichmäßig im eigenen natürlichen Rhythmus. Die Übung soll mit großer Natürlichkeit ausgeführt werden. Du sollst dich immer wohl und angenehm fühlen.

Du kannst damit beginnen für 1 Minute in der Haltung zu bleiben, später auf bis zu 5 Minuten (oder mehr) ausdehnen.

 

2. Schüttelübung

Du stehst aufrecht im hüftbreiten Stand, die Füße fest auf dem Boden, die Knie gelockert und beginnst mit einem sanften Schütteln des gesamten Körpers ausgehend von den Füßen über die Knie, die Beine, das Gesäß, das Becken, den Rücken, die Arme, die Hände, der Kopf hängt, die Gesichtsmuskeln sind entspannt, der Kiefer ist entspannt. Du gibst gedanklich dein Gewicht an den Erdboden ab. Schüttelst langsam immer kräftiger, ohne nachzudenken. Einfach schütteln. Lass alle Gifte und alles Alte, was du nicht mehr benötigst, einfach in den Erdboden hinein fließen. Schüttel alles aus dem Kopf, dem Leib und der Seele. Schüttel die Haut, das Fleisch, die Sehnen, die Knochen und die Organe. Nach 2-5 Minuten werde wieder sanfter in der Schüttelbewegung, schüttele immer weniger bis du wieder zu Ruhe kommst. Spüre nun mit geschlossenen Augen noch ein bis zwei Minuten in dich hinein. Spüre in deine Füße, deine Beine, deine Arme, deine Hände. Was nimmst du wahr?

 

3. Arme schwingen

Du stehst im hüftbreiten Stand, die Füße fest auf dem Boden, die Knie gelockert. Du beginnst deinen Oberkörper nach rechts und links zu drehen, die Arme gehen in der Bewegung mit, erst langsam, dann immer kräftiger, bis die Hände locker an die Außenseiten des Körpers schlagen. Du schwingst in den Knien mit. Bleibe ca. 1-2 Minuten in der schwingenden Bewegung, pendle dann langsam wieder aus, komme wieder zur Ruhe. Lasse deine Arme wieder locker neben dem Körper hängen und spüre nach.

 

4. Klopf- und Streichmassage für Kopf und Augen

Du stehst im hüftbreiten Stand, die Füße fest auf dem Boden, die Knie gelockert oder sitzt mit aufrechtem Oberkörper die Beine parallel und die Füße fest auf dem Boden. Beginne mit einem kräftigen Reiben deiner Hände bis du das Gefühl von Wärme spürst.

„Wasche“ nun dein Gesicht mit beiden Händen, indem du 3x vom Kinn zur Stirn mit oder ohne direkte Berührung sanft über dein Gesicht streichst.

Klopfe nun mit deinen Mittelfingern 3x sanft von der Nasenwurzel über die Augenbrauen, über die Schläfen, den unteren Augenrand um deine Augen herum.

Lege deine Fingerkuppen mittig der Stirn an und streiche 3x bis zu den Schläfen. Streiche dann weiter von den Schläfen zum Kinn, ebenfalls 3x.

Lege dann einen Zeigefinger zwischen Nase und Mund, den anderen zwischen Mund und Kinn und reibe beide mehrmals hin und her.

Spreize Zeige- und Mittelfinger, nimm deine Ohren dazwischen und reibe einige Male nach unten und oben.

Verschränke deine Finger ineinander, so dass die Daumen noch frei liegen. Lege die Daumen an der Nasenwurzel an und reibe die Nasenflügel mehrmals ab.

Klopfe nun mit allen Fingerkuppen über deinen Kopf, wie wenn Regentropfen auf deinen Kopf klopfen.

„Kämme“ danach mit den Fingerkuppen deine Kopfhaut von der Mitte des Kopfes bis zu den Ohren 3x von vorne nach hinten.

Lege alle Fingerkuppen an deine Stirn, streife über den Kopf nach hinten. An der Schädelbasis die Hände drehen, so dass die Handflächen nach unten zeigen, die Handkanten ziehen unter den Ohren bis zum Kinn, kommen mittig zusammen, Handrücken liegen aneinander, Hände ziehen mittig am Hals entlang nach unten über das Brustbein bis zum unteren Dantian (unteres Energiezentrum ca. 2 Finger breit unter dem Bauchnabel). Auch dies 3x wiederholen.

Zum Schluss reibe nochmals deine Hände bis Wärme entsteht. Lege dann deine Hände auf deine Augen und spüre die Entspannung…und die Erfrischung.

 

5. Den Regenbogen bewegen

Du stehst im hüftbreiten Stand, die Füße fest auf dem Boden, die Knie gelockert. Die Arme hängen locker neben dem Körper. Sinken im Becken und die Handflächen nach hinten drehen. Steigen im Becken und die Hände mit hängenden Ellenbogen vor dem Körper nach oben nehmen bis über den Kopf. Die Arme umrahmen den Kopf, sind etwas im Bogen ausgerichtet, die Handflächen zeigen nach unten und die Schultern sind entspannt. Stelle dir vor du hältst den Regenbogen. Das Gewicht auf das rechte Bein verlagern, das linke Bein wird dabei fast gestreckt und die Ferse kann sich etwas heben. Das Becken bleibt gerade. Der Oberkörper beugt sich etwas nach links, die rechte Flanke wird dabei gedehnt und der linke Arm streift nach unten bis auf Schulterhöhe am Regenbogen entlang. Der Blick geht mit, innehalten. Der Oberkörper richtet sich wieder auf, nimmt den linken Arm wieder mit nach oben. Das Gewicht ist wieder mittig, der Kopf dreht sich nach vorne, beide Arme umrahmen wieder den Kopf.

Das Gewicht auf das linke Bein verlagern und die Bewegung genau wie links nun rechts ausführen. Auf jeder Seite 2x wiederholen.

Zum Abschluss die Arme langsam vor dem Körper nach unten sinken lassen, das Becken sinkt mit. In Höhe des Dantian die Hände dort übereinanderlegen, Aufrichten, Nachspüren.

 

6. Atem-Laute-Übung

In der TCM geht man davon aus, dass Laute eine spezielle Wirkung auf den Körper und die inneren Organe haben. Der Laut Xu (getönt chüüü) soll eine heilende Wirkung auf die Leber haben.

Das Tönen und die Bewegung brauchen etwas Übung. Führe sie daher ganz langsam aus.

Du stehst im hüftbreiten Stand, die Füße fest auf dem Boden, die Knie gelockert. Die Füße bleiben während der Übung fest auf dem Boden. Bringe deine Hände vor den Unterbauch in eine Ball tragende Haltung. Die Handflächen zeigen nach oben, die Finger zueinander ohne sich zu berühren.

Hebe die Hände bis auf Brusthöhe nach vorne, vom Körper weg, gleichzeitig im Becken sinken, das Gewicht liegt mehr auf den Fußballen.

Durch die Nase einatmen und die Hände zum Körper ziehen, im Becken steigen, das Gewicht liegt mehr auf den Fersen.

Ausatmen und „chüüüü“ tönen, dabei die Hände wieder vom Körper weg bewegen, im Becken sinken, das Gewicht auf die ganzen Fußsohlen legen.

Beim Tönen sind die Mundwinkel wie beim Lachen auseinandergezogen. Die Zungenspitze ist leicht am Gaumen, die seitlichen Ränder der Zunge liegen an den Zähnen. Das Tönen und die Bewegung 6x wiederholen.
Lege abschließend deine Hände auf deinen Unterbauch, spüre nach und beobachte liebevoll deinen Atem.

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